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 Das Teehaus "Aoi Hana"

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Tennō
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BeitragThema: Das Teehaus "Aoi Hana"   Do Nov 06, 2014 8:27 pm

Das Teehaus „Aoi Hana“

Direkt an der Hauptstraße liegt ein kleineres Teehaus genannt „Aoi Hana“.

Trotz seiner guten Lage erscheint das Innenleben recht schlicht. So findet man keinerlei Prunk, strahlende Beleuchtung, ja nicht einmal wirklich viel Platz vor.
Kunden bekommt es zwar regelmäßig, jedoch kann man behaupten, dass es niemals ganz gefüllt ist. Denn schließlich wird es von allen Seiten mit auffälligerer und besser bestückter Konkurrenz belagert.

Die meisten seiner Kunden sind eingefleischte Einwohner Kyōtos. Ab und an jedoch kann es dazu kommen, dass sich auch Mal Reisende dorthin verirren, sind denn die Preise eigentlich recht gering. Leider ist die Qualität des Gebräus auch manchmal den Preisen entsprechend mangelhaft.

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Mōri Kojirō
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BeitragThema: Re: Das Teehaus "Aoi Hana"   Do Dez 25, 2014 8:28 pm

Eröffnung

Es war ein normaler Tag, nicht sonnig, nicht finster, früher Abend, kaum besonders denkwürdig.

Kyōto war in den Schleier des Friedens gehüllt. Die üblichen Kämpfe waren verblasst, sodass man für ein paar wenige Stunden von Frieden sprechen konnte. Niemand wollte dem anderen offen etwas Übles und niemand machte sich Gedanken wie grausig die Nachrichten des nächsten Tages werden sollten.
Das „Aoi Hana“ war ein Teehaus, das den Frieden nur begrüßen konnte. Viele Geschichten fanden hier dennoch ihren Anfang und ihr Ende. Viel wurde geplaudert, viel wurde geplant, viel wurde für ein paar entspannende Stunden vergessen.

Nur eines, das sollte niemand der Anwesenden hier vergessen: Sie wurden absolut schamlos über den Tisch gezogen.

Ein Junge hatte sich gegen Mittag im Teehaus eingefunden, bereit ein böses Spiel mit allen Gästen zu treiben. Er wettete in drei von drei Fällen zu durchschauen in welcher Hand eine Münze gehalten wurde versteckt hinter dem Rücken, nur bei einem einzigen Blick auf sein Gegenüber. Man hielt ihn für einen Spinner und so ging man darauf ein. Im Nu leerten sich die Taschen, denn nicht ein einziges Mal lag das Kind falsch. Niemand durchschaute seinen Trick, denn Komplizen hatte er keine und die Hexerei war doch nichts weiter als ein Märchen. Wie aber stellte er es an?
Selbst als man auf absurde 40 von 40 Versuchen hoch ging schaffte er es immer noch akkurat zu treffen. Und dann wenn man die Münze aus dem Spiel geschmuggelt hatte, wusste er sofort bescheid.

“Also kommen Sie schon meine Herren! Noch einen Versuch! Ich werde es auch mit vier zusätzlichen Händen schaffen die 100 von 100 zu demonstrieren!“

Ungeniert war der kleine Kerl doch tatsächlich. Umgeben von einer Horde bestehend ausschließlich aus Herren saß er auf einem bequem anmutenden Kissen direkt vor einem der edlen Tische dieser Absteige, brav und vornehm als entstamme er noblem Hause, eine Täuschung für die meisten – wohl gemerkt. Er lächelte kühl und wartete ab.
Warum keine Weibsbilder anwesend waren? Diese Frage lässt sich so leicht beantworten wie die für den Grund dieses kleinen Tumults. Der Junge konnte seine Finger schließlich nicht bei sich lassen und seine Blicke waren überaus geschickt, wenn auch ein klein wenig auffällig. Zumal er seine eigene „Befriedigung“ auch gern Mal in die Einsätze mogelte. Kurz um: Er war ein Lustmolch und ein ziemlich guter noch dazu.

Dies war Kojirō vom Klan der Mōri.
Er war ein verlorener Sohn, der nun schon seit acht Tagen nicht aufzufinden war und seine Aufpasser bereits zur Weißglut getrieben hatte. Und selbst wenn dies eine Tatsache war, der kleine Mistkerl verbrachte seine Zeit ganz munter und gelassen, gar freudig, beim Glücksspiel wie der miese Gauner für den man ihn angesichts dieser Tatsachen auch halten sollte.
Und diejenigen, die ihn suchten? Nun, wenn sie es nicht schafften, dann sollte es wohl lang keinen inneren Frieden mehr geben.

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Zuletzt von Mōri Kojirō am Sa Dez 27, 2014 4:49 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Kawabata Chiasa
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BeitragThema: Re: Das Teehaus "Aoi Hana"   Sa Dez 27, 2014 10:04 am

Und dies war Chiasa vom Kawabata Klan, Patriotin der Choshu und Hitokiri für den Kaiser, Anhängerin der Sonno-joi. Gut nur den Punkt das sie zu den Hitokiri gehörte, wusste niemand. Beziehungsweise nur wenige, oder jene die nicht mehr lebten und ein verfrühtes Ableben durch ihre Hand erleiden mussten.

Auch bemerkten nicht sehr viele wie sie den Raum betreten hatte. Die Menge achtete eher auf einen jungen Mann der sie allem Anschein nach über den Tisch zog, beim Glücksspielen. Aber sie wusste schon davon noch bevor sie diesen Raum und dieses Haus betreten hatte. Es gab nicht vieles, von dem sie nichts in dieser Stadt wusste.

Die Suche selber nach dem Mori Jungen hatte vor ein paar Tagen begonnen, nachdem sie damit von einem Onkel des Jungen in Kyoto damit beauftragt worden war, da dieser seinen Aufpassern entkommen war.

Es hatte sie nicht allzu viel Mühe gekostet seine Spur aufzunehmen und hatte gleich dort angefangen zu suchen, wo sich ihrer Meinung nach junge Männer gerne aufhielten, im Vergnügungsviertel der Stadt. Nun hier war es schwieriger geworden ihn zu finden, aber ein geeigneter Mix aus Geld, Name und unverhüllten Drohungen und ein paar empörten Prostituierten und Mägden führte sie zu diesem Hause, dem Aoi Hanna.

War wohl Zeit ans Werk zu schreiten und den jungen Herrn nach Hause zu bringen.

Sie drängte sich mit dem Griff ihres Katanas einen Weg durch die Menge um den Jungen, die durch ihr etwas unhöfliches vorandringen etwas ruhiger wurde, noch ruhiger wurde die Menge um sie herum, nachdem diese feststellten das sie eine doch ziemlich große Frau, mit kurzem Haar und Schwert war. Eine gefährliche Mischung.

Schließlich hatte sie den Platz den sie brauchte direkt vor Kojiro und funkelte ihn finster an. Er kannte sie und sie kannte ihn. Sie war so etwas wie eine coole aber doch recht gemeine Tante zu ihm, und wenn man miteinbezog wie man heutzutage untereinander Heiratete, dann traf es tatsächlich sogar zu, dass sie eine Tante ihm sein konnte.

Sie verbeugte sich kurz vor ihm und wandte sich an die Menge.
"Geht."
, wies sie die Männer vor sich an. "Das hört jetzt auf.", setzte sie hinzu. Ein paar Männer wollten wiedersprechen und protestieren und öffneten ihre Münder....
"DAS HÖRT JETZT AUF!", wiederholte sie lauter um die Menge zu übertönen und klang dabei wie Moses, als er seine Leute um das Goldene Kalb tanzend vorfand.

Die Menge guckte sie einigermaßen eingeschüchtert, bedröppelt und wütend an. Dann kam der Zauberspruch, mit der man jede Feier sofort beenden konnte.
"Die Wölfe von Mibu sind hierher unterwegs."
Womit sie die Shinsengumi meinte. Niemand wollte etwas mit diesen Männern zutun haben. Wenn man die Hitokiri schon für Rücksichtslos hielt, so standen ihnen die Shinsengumi in nichts nach. Mitgefangen, mitgehangen, wie es so schön hieß. Sie waren bekannt dafür auch regelmäßig eigene Angehörige mit dem Tode zu bestrafen. Seis auch nur wenn sie den Standards der Shinsengumi nicht entsprachen.
Eine Horde rückratloser Bastarde die zu ihrem eigenen besseren samt und sonders geköpft gehörten.

Und ihre Worte zeigten Wirkung. Der Raum war mit einem Schlag wie leergefegt und man hörte das trappeln sich schnell entfernender Schritte.

"Nun zu ihnen junger Herr.", wandte sie sich an Kojiro und ihre Augen hatten die Magie von auf ihn gerichteten Kanonenrohren.

"Kommt mit mir, eurer Onkel macht sich Sorgen um euer Wohlergehen und wünscht euch zu sprechen.". Sprach sie höflich, wenn auch so unnachgibig wie ein Berg. "Kommt ihr freiwillig mit? Oder soll ich euch in schamloser Weise zu eurem Onkel schleppen?", bot sie ihm eine letzte Wahl an.
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Mōri Kojirō
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BeitragThema: Re: Das Teehaus "Aoi Hana"   So Dez 28, 2014 1:03 pm

Und dann fand der Spaß sein Ende.

Der Auftritt der relativ groß gewachsenen Frau mit dem Katana hatte für einigen Aufruhr gesorgt und dann den Aufruhr ebenso schnell wieder niedergeschlagen. Damit war das freudige Treiben im „Aoi Hana“ also wirklich zum Ende gekommen. Welch Sauerei.

Die einzigen beiden, die noch in diesem Winkel des Lokals verblieben waren der junge Herr und jene Frau, die seinen Freuden für den heutigen Tag ein Ende gemacht hatte. Anhand seines Blickes schon war ein jeder, der noch irgendwie zu sah dazu in der Lage, dass er sie in der Tat kannte und vermutlich schon etwas am Aushecken war. Das kalte Lächeln und die Augen, die er in jenem Moment typisch zugekniffen hatte, sprachen mehr als tausend Worte. Etwas ging in seinem Kopf vor.

“Aber aber, das hätte nicht nötig sein müssen. Noch diese eine Runde und die ganzen Kerle hier hätten ohnehin kein Staubkorn mehr in ihren Taschen gehabt. Aber du musstest es ja verderben, Tantchen.“

Entgegen ihrem eher zwanghaft vorbildlichen Auftreten erschien der Junge ein wenig lockerer, auch was die Auswahl seiner Floskeln angehen sollte. Er lächelte immer noch, so als sei dies in der Tat eine recht erfreuliche Wendung.

“Wie du dir bereits denken kannst habe ich keinerlei Interesse daran meinen Onkel in nächster Zeit zu sehen. Die letzten Wochen haben mir große Freude bereitet und ich würde gern noch ein wenig mehr davon auskosten. Kyōto ist schließlich eine äußerst sehenswerte Stadt. Sehenswerter als diese elendigen Anwesen, in denen ich in den letzten Monaten habe residieren müssen.
Außerdem habe auch ich mir eine Pause verdient.“


Er rang nach Luft. Mit einem griff in seine Tasche holte er etwas heraus, was er seinem Gegenüber auch gleich zu präsentieren hatte. Auf seiner vernarbten mit Hornhaut versehenen Handfläche lag es, einfaches Metall in Kreisform, eine Münze. Er präsentierte sie jedoch nicht wie ein stolzer Sieger, sondern wie ein finsterer Herausforderer. Und wenn sein Lächeln nicht den Rest tun würde, dann sollten es seine Worte.

“Wie wäre es mit einem Spiel. Wenn du gewinnst dann komme ich mit. Aber wenn ich gewinne…“

Das hämische Grinsen verriet bereits seine Art von Forderung. In der Natur des Jungen lag schließlich nichts Gutes, gerade dann wenn es sich um die Interaktion mit dem weiblichen Geschlecht drehte.
Tatsächlich jedoch sollte er in diesem Fall keinen Sieg sicher haben. Sein Trick funktionierte hier schließlich nicht derart erfolgreich wie in jenen anderen Fällen. Sie sollte es schließlich kennen, was er da benutzte.

Aber würde sie überhaupt darauf eingehen, oder sich den Umstand sparen und ihm gleich den Kopf abreißen?

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Kawabata Chiasa
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BeitragThema: Re: Das Teehaus "Aoi Hana"   So Dez 28, 2014 6:16 pm

"Oh doch Neffe, es war nötig. Zumal einige von denen drauf und dran waren dir den Hals umzudrehen wenn du ihnen den Rücken gekehrt hättest. Nicht einmal deine Schwertkunst hätte dich dann großartig retten können, unterschätze niemals um Geld betrogene Menschen Kojiro. Außerdem und verzeih wenn ich so offen bin, steht es einem jungen Mann deines Standes nicht gut an, nach Gewinn zu streben oder dich irgendwelchen....Glücksspielen", sie sprach es ziemlich verächtlich aus, "hinzugeben."

Sie sah ihn an und verschränkte die Arme als warte sie darauf das er sich endlich vom Boden erhob und mit ihr mitkäme, aber....es kamen immer noch Widerworte.

"Mir eigentlich ziemlich gleich, ob du Interesse hast deinen Onkel zu sehen oder nicht. Aber er will dich sehen und das ist es was zählst. Da du dich zurzeit in seiner Obhut befindest ist es deine Pflicht ihm zu gehorchen und wenn dir dies nicht gefällt so bereite ihm wenigstens keine Schande und kehre nach Choshu zurück, wo du wenigstens sicherer bist als hier, Neffe.", hielt sie ihm eine kleine, harte Predigt die nur deshalb härter klang, weil sie anscheinend nicht das geringste Interesse für ihn in ihrer Stimme erklingen ließ.
Doch ihre Stimme wurde eine Ide zorniger und sie schnaubte.
"Pff...kann ich mir vorstellen das dir die letzten Wochen Freude und Vergnügen bereitet haben und wovon hast du dir den eine so großartige Pause verdient? Von dem bisschen Arbeit, die dir dein Onkel aufgetragen hat? Lern lieber zu gehorchen Neffe.", fuhr sie weiter fort und funkelte ihn finster an und es war ein wirklich finsteres Funkeln.
Doch er, er grinste sie nur hämisch an und hielt ihr eine Münze hin und schlug ihr ein Spiel vor.
Seine hämische Miene erwiederte sie nur mit kühler Gleichgültigkeit.

"Neffe. Auch meine Geduld hat Grenzen, deine Spiele kannst du nachher gerne mit dir selber spielen, jetzt jedoch, empfehle ich dir wärmstens, deinen Gewinn, der hier noch am Boden liegt einzusammeln und mit mir zukommen, den als ich vorhin sagte, die Shinsengumi seien unterwegs....so habe ich keineswegs gelogen.", sagte sie und fing nun selber an hämisch zu grinsen.

"Ich selber habe sie auf dieses kleine Teehaus aufmerksam gemacht und die mögen das elendige Glücksspiel genauso wenig wie ich. Also Neffe, steck deine Münzen und deinen Gewinn ein, wir haben eine Verabredung mit deinem Onkel."
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Mōri Kojirō
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BeitragThema: Re: Das Teehaus "Aoi Hana"   Do Jan 01, 2015 5:01 pm

Seine liebe Tante war alles andere als eine angenehme Persönlichkeit, wenn sie denn Mal im Auftrag eines höher gestellten Familienmitgliedes handelte. Kojirō mochte es nicht. Wie konnte er auch Gefallen an jemandem finden, der versuchte den Anstandswauwau zu spielen? Viel zu lange war er schon mit solchen Leuten umgeben gewesen und wohin hatte es ihn geführt? In die vollkommen falsche Richtung, offensichtlich und wohl gemerkt.

“Ich denke, ich sollte ein Recht darauf haben mich für einige Zeit auf meinen Lorbeeren auszuruhen, denn schließlich habe ich den von mir gewünschten Ertrag erbracht und verdiene somit eine Belohnung. Gerade weil ich diese Belohnung auch brauche, um mich weiter dem hinzugeben, was man aus mir machen will. Kannst du dafür denn keinerlei Zustimmung finden, Tantchen?“ Sein Appell würde ohnehin erneut auf dickes Fell treffen. Wieso versuchte er es dann überhaupt. “Außerdem ist mein Onkel ohnehin nicht die Art Person, die über mich zu entscheiden vermögen sollte. Sein Nutzen für die Familie steht auf derselben Ebene wie der meine. Und ich kann von mir behaupten, dass ich in meiner aktuellen Situation wohl von noch größerem Nutzen für die Familie bin, als wenn ich zurückkehre. Schließlich habe ich die ein oder andere interessante Entdeckung gemacht.“

Anschließend jedoch begann er ihren Worten noch ein Fünkchen mehr der Aufmerksamkeit zu widmen. Das Herz rutschte ihm schon beinahe in die Hose. Er mochte an manchem Tage arrogant auftreten, jedoch hatte er immer noch ein bisschen Grips in seinem jungen Dummkopf überbleibend. Genug, um zu erkennen, dass die Bedrohung, die auf sie beide zu kam von einem recht anderen Niveau war, als eine Horde wütender betrogener Glücksspieler. “Shinsengumi, heh?“ Die Wiederholung verdeutlichte nur wie unangenehm jene Nachricht denn sein sollte.
Dennoch regte er sich nicht wirklich. Warum das Ganze? Glaubte er ihr immer noch nicht, obwohl sie deutlich beteuert hatte, dass das gesprochene Wort wahres Wort war?

“Wenn sie kommen, dann kommen sie eben. So einfach ist es.

Bei uns beiden handelt es sich schließlich um Schwertkünstler der höheren Stufe. Shinsengumi hin oder her, zwei zusammen werden bestimmt dazu fähig sein ein bisschen mehr Blut zu vergießen als einer allein. Schließlich ist es ja nicht so als planen wir unsere Feinde zu verschonen, nicht wahr?“


Dies war ein Wettkampf der Willenskraft. Derjenige, der zuerst nach gab verlor, ebenso wie derjenige, der nichts mehr zu entgegnen wusste. Kojirō mochte viel riskieren mit seiner Art, jedoch glaubte er am Ende der Sieger zu sein. Nun gut, die Shinsengumi waren da schon ein Problem, das konnte er nicht bestreiten, gerade weil er auf direkte Duelle besser ausgelegt war, als auf Wettkämpfe gegen mehrere Gegner zugleich. Dennoch hatte er sich entschlossen standhaft seine Ideale zu verteidigen, wie ein wahrer Anhänger der Shishi.
Außerdem: “Meiner Einschätzung nach wird unsere Zeit immer knapper, je länger wir unsere Unterhaltung pflegen. Ich nehme Mal an du hast keinen Fluchtplan parat?
Ich nämlich schon. Auf diesen würde ich jedoch nicht zurückgreifen wollen, solange ich weiß wohin mich die Reise an deiner Seite führen sollte.“

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Kawabata Chiasa
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BeitragThema: Re: Das Teehaus "Aoi Hana"   Di Jan 06, 2015 4:26 pm

"Tut mir leid dich enttäuschen zu müssen Neffe, du hast kein Recht dich auf irgendwelchen Lorbeeren auszuruhen, du hast den Befehlen des Clans zu gehorchen und damit hat es sich.", sie blieb immer noch im Raum vor ihm stehen.

"Schön das du etwas herausgefunden hast, aber wie gesagt Neffe, wenn der Clan sagt, das du zurückkommen sollst, dann kommst du zurück, egal wie nützlich du wo auch immer sein magst und was deinen Nutzen und der deines Onkels angeht, ist es mir nicht erlaubt ein Urteil zu fällen.", sagte sie grob diplomatisch und quittierte desinteressiert seine Entdeckungen, obwohl sie hinter ihren undurchschaubaren Augen freilich andere Gedanken hegte.

Schließlich verzog sich ihr Gesicht wieder zu einem leichten Grinsen als er den Namen ihrer Feinde erwähnte.

"Ja die Shinsengumi sind hierher unterwegs Neffe."
, wiederholte sie bestätigend seine, wahrscheinlich rhetorische Frage.
"Da hast du Recht, wahrscheinlich zum ersten mal an diesem Tage, wenn sie kommen, dann kommen sie und du magst mit deiner Meinung recht haben, was unsere Fähigkeiten angeht, wobei ich glaube, wenn es sich um deren bessere Kämpfer handelt, du bestenfalls einen, nicht mehr als zwei wirst verwunden oder töten können.", schmälerte sie dezent sein können, in ihren Augen war er, was das Kämpfen anbetraf, immer noch ein Kind.
"Und abermals hast du recht, die Zeit wird knapper. Doch an dieser Stelle jetzt irrst du. Ich habe einen Fluchtplan und deinen Fluchtplan, lieber Neffe, kannst du getrost deiner Vergessenheit anheim fallen lassen, für diesen besteht kein Bedarf, außerdem habe ich, wie gesagt, meine Befehle und jetzt komm, ich habe keinen Zeit für deine kleinen Jungenspielchen.", die letzten Worten enthielten eine vage Drohung in der Stimme und kamen ungewöhnlich hart.

Den, Chiasa hatte wirklich keine Zeit. Um die Shinsengumi selbst machte sie sich keine Sorgen, Sorgen eher darum, dass diese sie nur aufhalten würden.

Mit ihren letzten Worten war sie bereits bei Kojiro und drängte ihn, allein mit ihrer Körpergröße und Anwesenheit in Richtung Schiebetür, die in den Garten des Teehauses führte.
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Mōri Kojirō
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BeitragThema: Re: Das Teehaus "Aoi Hana"   Fr Jan 09, 2015 8:14 pm

Am Ende musste er sich dann doch der starken Mutter Bär geschlagen geben, welch eine Schmach. Zwar hatte er sich immer noch nicht dazu überzeugen lassen an dieser Stelle ohne jegliches Zögern zu seinem Onkel rennen zu wollen, wenn dieser pfiff, aber dem Tantchen musste er fürs erste wohl auch Folge leisten.  

“Also gut, du gewinnst Tantchen. Wenn ich nun auch ziemlich auf deinen Fluchtplan gespannt bin“, gab er es dann mit schmollendem Unterton zurück. Nach wie vor sah er sich in einer Rebellion wohl lieber als in aktiver Teilnahme an was auch immer sein Onkel sich jetzt schon wieder wünschte. Vielleicht sollte es gar nicht so schlecht sein „nach hause“ zurück zu kehren, doch die Mühe, die er sich gemacht hatte vor seinen Überwachern zu fliehen war auf diese Weise dann doch vergebens gewesen. Der ganze Spaß, die ganze Freude, alles was er so aufgeschnappt hatte, wertlos. Mehr oder weniger. Das Klimpern der Münzen verblieb ihm ja noch.
Bevor ihn sein Tantchen jedoch aus den Räumen des Teehauses drängen konnte, hatte sich der kleine Kojirō noch einmal dazu geeilt das einzusammeln, was er ansonsten wohl schmerzhaft zurücklassen müssen würde. Darunter fiel zum einen sein Katana, welches er zum Sitzen abgelegt hatte, aber auch ein paar Beutel voll Münzen, die er auf seinem Raubzug ergattert hatte.

Und dann hieß es einfach nur „ab durch die Mitte“. Wie genau stellte sich die gute Frau Kawabata diese Flucht denn nun eigentlich vor? Würden sie sich etwa irgendwie verkleiden oder sah sie einen Weg dadurch mehrere Seitengassen zu nehmen bis sie denn außerhalb der Reichweite ihrer Freunde mit den himmelblauen Haori sein würden? Das klang jedenfalls nach etwas, was der kleine Mistkerl selbst geplant hätte.

Draußen im Garten angekommen fand der junge Samurai erst einmal zum Stillstand, um so das Schwert zwischen Gürtel und Hose zu klemmen. Ein ungehaltenes Schwert sollte schließlich alles andere als bequem sein. Die Münzbeutel jedoch hielt er auch nach wie vor in seiner Hand, so fest wie es ihm die gestärkten Hände erlaubten.

“Also gut hier sind wir. Und nun? Erklimmen wir das Gebäude und sausen dann fix über die Dächer? Nicht, dass es mich besorgen würde. Ich will einfach nur wissen ob wir dabei nicht zufällig ums Leben kommen können.
Genauso sehr wäre ich mir gern darüber im Klaren, ob allein türmen nicht doch die bessere Option für mich wäre. Denn dann würde ich diese Variante eventuell vorziehen.“

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BeitragThema: Re: Das Teehaus "Aoi Hana"   Di Jan 13, 2015 6:48 pm

"Oh mein Fluchtplan, Neffe?", fragte sie mit gespielter Überraschung in der Stimme. "Wir gehn einfach ganz normal weg."

"Nun ich hatte daran gedacht, dass wir diese Tür...."
, sie schritt auf eine Stelle der Gartenmauer zu die mit einigen Ranken und Pflanzen verdeckt war und schob diese halb beiseite. Damit machte sie blick freu auf etwas, dass sehr stark nach Holz aussah. Eine Tür.
"hier benutzen. Danach wirst du mir einfach folgen und wenn uns jemand ansprechen sollte überlässt du mir das reden. Zudumm das du keine längeren Haare hast, damit könnte man dich wunderbar sehr schnell äußerlich verändern.", erklärte sie mit einem leisen bedauerndem Seufzen am Ende und klang ganz und gar nicht besorgt.

Was Kojiros Verkleidungsidee anbetraff, so war diese nur für Kojiro selbst nützlich oder notwendig. Von den Shinsengumi gabs eigentlich niemanden mehr der ihr Gesicht kannte. Nun, es gab schon ein paar Shinsengumi die sie kannten, aber für diese war sie nur eine gesetzestreue Rounin aus dem Norden, die sich ihr Geld damit verdiente für Ausländer die Übersetzerin zu spielen. Ja sie hatte sogar durch einen Mittelsmann von Kojiros Onkel einen Anschlag auf sich selber inszeniert und die Angreifer getötet. Jeder einzelne der drei Männer war der Shinsengumi bekannt als Aufwiegler. Dadurch hatte sie zumindest den Ruf nicht den Gegnern des Bakufu anzugehören.

Sie hielt Kojiro wartend die Tür auf. "Wenn jeder einzelnd fliehen sollte Neffe, hätte es herzlich Sinn gehabt das ich dich hier abhole. Und die Wahrscheinlichkeit das du heute Abend dein Leben verlierst ist so ziemlich gleich null, solltest du versuchen alleine hier wegzukommen. Ich kenne diese Stadt in einer Weise wie du sie nicht kennst.", sagte sie ein wenig nebulös und trat auf die unbelebte ziemlich enge Gasse, es war eher mehr ein Dreckstreifen zwischen zwei sehr langen Häuser und Mauerzeilen, hinaus.
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BeitragThema: Re: Das Teehaus "Aoi Hana"   Mi Jan 14, 2015 11:34 am

“Einfach normal weg gehen…?“ Der Humor seiner Begleitung war definitiv von einer ganz besonderen Sorte. Es brachte den Jungen wahrlich dazu sich für einen Moment Sorge darüber zu bereiten, was ihn auf diesem Fluchtweg erwarten würde.
Als die gute Dame dann ihre Geschichte fortsetzte wurde jedoch auch die Anspannung des Jungen wieder in Erleichterung gewandelt. Die Tür, die sie hinter den Pflanzenwuchs auf der Mauer hervor zauberte war eine recht große Überraschung, die selbst den jungen Tut-nicht-gut zum Staunen brachte. “Du hast definitiv niemals gescherzt, wenn du behauptet hast Kyoto wie deine Westentasche zu kennen. Ich bin äußerst beeindruckt, Tantchen.“

Kojiro und Chiasa durchquerten die Pforte, ließen den Garten hinter sich und traten hinaus auf die Straßen Kyotos, oder eher in eine düstere Gasse hinein. Es brauchte nicht einmal einen Blick durch die Umgebung, um zu erkennen, dass sie die einzigen sein sollten, die sich hier draußen befanden. War es nicht schön so ein klein wenig? “Denkst du es ist wirklich schlau eine solch dunkle Gasse aufzusuchen? Was ist wenn am anderen Ende eine Gruppe Shinsengumi auf uns lauern sollte? Selbst wenn sie es vielleicht selbst nicht erwarten sollte, könnte sich dies als große Gefahr für unseren Plan erweisen.“ Seine Stimme begann einen etwas kälteren und kalkulierten Klang anzunehmen.
“Die Wahrscheinlichkeit, dass wir in sie hinein laufen werden ist nicht null. Ebenso wie die Chance, dass wir überfallen werden hier draußen. Nun gut, der Überfall selbst sollte uns kaum Sorge bereiten, sondern viel eher die Aufmerksamkeit, die wir auf uns ziehen würden, sollte es wirklich eintreffen.
Wobei…du kannst das doch, das Ausschalten eines Menschen ohne einen einzigen Laut, nicht wahr Tantchen?“


Für eine Sekunde schlug er beide Augen zu, dann machte er sich bereit der Führerin zu folgen. “Mal sehen ob sich hier raus noch ein Abenteuer entwickelt. Weißt du, ich habe noch ein paar andere Freunde während meines Aufenthalts in Kyoto gemacht…“

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BeitragThema: Re: Das Teehaus "Aoi Hana"   Do Jan 15, 2015 6:25 pm

"Wie ich sagte wir gehen einfach ganz normal und ohne Eile und schlechtem Gewissen weg.", wiederholte sie seine Nachfrage.

Sie stand in der kleinen Gasse zwischen den Mauern und sah Kojiro mit leicht schräg gelegtem Kopf an.
"Ich scherze selten, in solchen Situationen Neffe, das solltest du wissen und wenn nicht...nun dann weißt du es jetzt."

Sie ging durch die dunkle "Gasse" und ließ den Jungen hinter sich ruhig plappern. Sie hörte nur mit halbem Ohr zu während sie aufmerksam die Mauerwände betrachtete, auf denen sich jederzeit ein Shinobi des Shogunats zeigen konnte. Es war zwar ziemlich unwahrscheinlich, das dies passierte, aber man konnte nie wissen.

Und tatsächlich, es sprang etwas auf die Mauer und beobachtete sie. Eine braune Katze, die sie einen moment lang ansah, einen Meter weit die Mauer entlang ging und dann wieder außer Sichtweite hüpfte.
Ansonsten blieb es in der dunklen Gasse still.

"Wir sind gleich da Neffe.", kündigte sie an ohne auf sein Geplapper oder seine Fragen zu antworten. Schließlich kam sie wieder an ein Mauerstückchen mit einer Holztür.
Sie drückte dagegen und die Tür schwang langsam auf. Sie spähte dahinter, es war niemand zu entdecken.
Sie trat hindurch und...befand sich in einer weiteren kleinen Gasse, sie bedeutete Kojiro ihr zu folgen, in einiger Entfernung hörte man Schreie und das Brüllen von Befehlen. Nichts deutete darauf hin, das sich jemand in ihrer Nähe befand.
Bis sie an eine weitere Tür kamen hinter der anscheinend großer Betrieb herrschte. Der Geruch von Gemüse, Suppe und Fleisch stieg einem stark in die Nase und das Klirren von Töpfen, Krügen und Schüsseln war zu hören.

Sie hielt an der Tür inne und sah zu Kojiro.
"Wenn wir jetzt durch diese Tür gehen, wirst du mit nichts und niemandem sprechen und du wirst niemanden, hörst du, niemanden an ansehen. Die Leute die hier Leben, Arbeiten oder diesen Ort aufsuchen möchten unerkannt bleiben, genauso wie wir dies wollen. Du wirst mir einfach nach draußen auf die Hauptstraße folgen und in die Sänfte einsteigen, die vor dem Haus steht.", wies sie ihn an und wartete nicht wirklich auf eine bestätigung, sondern ging einfach ins Haus.
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BeitragThema: Re: Das Teehaus "Aoi Hana"   Mi Jan 21, 2015 11:09 am

Tür um Tür. Das Tantchen wusste wirklich wie man Türen aus dem Zauberhut ziehen konnte. Jedenfalls war das auch alles, was Kojiro sich zu diesen Dingen denken konnte. Das Sprechen hatte er ja bereits als wirkungslos durchschaut, da die meisten seiner Sätze einfach ignoriert worden waren. Schade, aber so waren Erwachsene wie Chiasa eben.
Was blieb war das hinterher dackeln durch die etwas düstereren Winkel Kyotos, die der Junge nun natürlich auch alle in seinem Gehirn verewigte. Die Gunst der Stunde musste ein wahrer Schelm schließlich ausnutzen so gut es ihm möglich erschien.

“Du kennst dich ein bisschen zu gut aus, Tantchen. Man meint ja schon fast, dass du eine Karriere als Yakuza anzustreben gedenkst“, kommentierte er ihr besonderes Wissen, welches ihnen hier gerade die sichere Flucht ermöglichte.

Die nächste Türe war dann auch noch etwas deutlich Besonderes. Der gute Geruch von Essen, das Getümmel von Menschen und die Warnung, die seine liebe Tante dazu ausgesprochen hatte. Wohin wollte sie ihn denn noch schleifen? Wie oft wollte sie ihm denn noch den Spaß verderben? Den Trieb sich mit den Menschen in dieser Halle auszutauschen zu unterdrücken war wahrlich von großer Anstrengung, ebenso wie seine allgemeine Neugier danach sich einmal umzusehen.
Klar, deswegen hatte sie ihn wohl auch gewarnt. Aber wirklich: Es war doch von solch großem Interesse. Später würde er vielleicht noch Mal wieder kommen. Dann wenn er wieder etwas Ruhe und Freizeit haben würde. Freunde ließen sich bestimmt an diesem suspekten Ort finden. War ja meist so.

“Du scheinst dich wirklich gut vorbereitet zu haben, Tantchen. Hattest du etwa derartige Ausschreitungen erwartet? Nicht, dass es unlogisch wäre, schließlich bin ich kein einfacher Umgang, nicht wahr?“ Selbstverständlich flüsterte er bei diesen Worten.

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